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Was Fahrradfahren und Weben gemeinsam haben

Ha! Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, heute über das Einlitzen und die ganzen vielen Fäden zu schreiben und dann war ich letzte Woche so im Schreibfluss, dass es alles schon im letzten Blogbeitrag gelandet ist. Nun, was kann ich euch heute tolles über das Weben erzählen, was ihr noch nicht wisst, oder unbedingt wissen wollt? Gerade ist mir noch eingefallen, dass ich einen wichtigen Punkt vorm loslegen vergessen habe.

Das Anbinden der Tritte.

Mein Webstuhl hat unten 14 Tritte für 12 Schäfte. Auf den Schäften hängen die Litzen und darin die passend zum ausgewählten Muster eingelitzten Fäden. Damit man aber überhaupt weben kann, muss man nun jeden Schaft den man für das Muster braucht, auch unten an die Tritte anbinden. Dafür gibt’s kleine Schnüre mit eingearbeiteten Löchern, die man am Tritt an eine kleine Schraube fummeln muss. Das ist eine Arbeit, die mich am Anfang richtig viele Nerven gekostet hat. Denn irgendwann waren da nur noch Schnüre und Schrauben und ich wusste weder welche Schnur an welche Schraube wollte, noch wo ich nach Schnur 35 überhaupt war und wo noch nicht. Zu behaupten, das ich es mittlerweile nach 5 Jahren im Schlaf mache, wäre übertrieben. Aber wir haben uns zumindest angefreundet. Trotzdem ist es schon anstrengend da unten zu hocken, die Beine irgendwie aus dem Arbeitsbereich zu bekommen und meist zwischen 96 und 144 Schnüre anzubringen. Gut das mich danach niemand beim Aufstehen beobachtet. Mein Plan ist ja derzeit, dass die Kinder in ein paar Jahren hoffentlich ganz oft eine Extraportion Taschengeld brauchen – hoffen kann man ja.

Die eingelitzten Fäden mit den angebundenen Tritten ergeben mit der richtigen Trittfolge dann das gewünschte Webmuster. Einfaches Plain ist da natürlich ein Kinderspiel. Da braucht man nur 2 Schäfte, 2 Tritte und tapst immer nur hin-her-hin-her-hin-her. Aber das hab ich tatsächlich in den ganzen Jahren nie gemacht, selbst wenn ich einige Plain Tücher gewebt habe. Um das Gewicht der ganzen Fäden besser auf den Schäften zu verteilen habe ich selbst dafür auf mindestens 4 Schäften eingelitzt oder auch gern mal, bedingt durch andere Muster auf 8 oder 12Schäften.


Bei mehr als 2 Tritten gilt es dann die Fuß-Gehirn-Koordination zu trainieren. Ich erinnere mich noch so gut daran, wie ich bei jedem Tritt geschaut habe, wo der Fuß ist. Ob er nun wirklich auf 2 oder Tritt 4 gelandet ist. Oft musste ich in der ersten Zeit, dann ein paar Zentimeter rückwärts weben, um einen Trittfehler zu korrigieren, aber spätestens dann war die Reihenfolge völlig im Eimer, bis ich wieder einen nachvollziehbaren Punkt im Trittmuster gefunden hatte.

Mittlerweile sind einfache Trittfolgen wie 1-2-3-4-5-6-7-8-7-6-5-4-3-2-1 oder selbst 1-4-2-6-3-7-4-8 kein Problem mehr und ich merke am Trittgefühl sofort, wenn ich da irgendwo aus dem Takt komme.

Bei jedem Muster, was nicht einer klaren Aufwärtsbewegung oder einer Zickzackbewegung in den Tritten folgt, sollte man mich aber besser nicht stören. Natürlich ist den Kindern das völlig egal.

So kommt es nach wie vor immer wieder zu Situationen, wo ich tiiiiiiiiiiief einatmen muss und danach 2-3 mal zurückweben muss, wenn man mich rausbringt. Aber es geht alles deutlich schneller und die Füße verstehen viel besser wo sie hin sollen. Das ist schon wirklich spannend, was der Körper und das Gehirn da leistet So ein bisschen erinnert mich das ans Fahrradfahren. Da musste man sich anfangs ja auch unglaublich konzentrieren und hat mit beiden Händen den Lenker fest umklammert. Wenn es irgendwo gejuckt hat, musste man anhalten. Mal eben mit der Hand kratzen war undenkbar. Aber irgendwann klappt das dann alles, ohne groß nachzudenken. Ich glaub genauso geht es mir mittlerweile beim Weben, da läuft vieles ziemlich gut eingespielt und intuitiv. Je nach Muster kommt man dann richtig in einen Flow – das ist dann wie Tanzen. Man sieht- Tritt- sieht- Tritt – da darf man dann in dem Moment nur nicht den Fehler machen und überlegen, ob die Füße das richtige treten, spätestens dann ist man garantiert wieder raus und durcheinander. Ich finde das immer wieder erstaunlich.

Nun ich hoffe, das war nicht allzu Technisch dieses Mal und ich hoffe, ihr habt einigermaßen verstanden, wovon ich überhaupt geredet habe.


Wenn ihr noch Fragen habt, oder ihr unbedingt mehr über ein bestimmtes Thema wissen möchtet, welches ich in den nächsten Blogartikeln mal aufgreifen oder erklären soll– schreibt mir eine Mail an mail@caira-handwoven.de

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